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Lily-Rose Depp und Karl Lagerfeld in der Chanel-Schau (Bild: Hendrik Ballhausen)

Parfait, Paris!

Sie ist die Kür der Mode. Bei den Schauen der Haute-Couture sieht man die erlesensten Kleider der Welt, und ich bin immer noch dankbar, dass ich seit Jahren regelmäßig dabei sein darf. (Letzteres, also das mit der Dankbarkeit, würde ich zum Beispiel über die ungleich hektischeren Prêt-à- Porter-Schauen niemals schreiben). In Paris konnte man gerade die Entwürfe für Frühjahr/Sommer 2017 sehen, und wie so oft schoss Chanel den Vogel ab. Selten habe ich eine derartige Perfektion bei den Entwürfen erlebt wir hier am vergangenen Dienstag.

Finale bei Chanel (Bild: Hendrik Ballhausen)

''Haute Couture'' das heißt vor allem 1A-Handwerk - superfeine Stickereien, geklöppelte Spitze, präzise Schnitte, von Hand gemachte Hüte und Federn. Die Entwürfe werden einzeln angefertigt - die ''Petites Mains'', die Schneiderinnen in den Ateliers, gelten in der Branche als Legende. Es gibt nicht viele Modehäuser, die Couture anbieten. Nur rund 30 Marken stehen auf dem offiziellen Kalender der Schauen (zum Vergleich: Beim Prêt-à- Porter sind es fast 90). Einige davon, wie zum Beispiel die Marke Vêtements, zeigen ''auf Einladung''. Das bedeutet, dass sie nicht die strengen Vorgaben an Haute-Couturiers erfüllen müssen, sondern von der verantwortlichen Kammer, der Chambre Syndicale de la Haute Couture, dazu gebeten wurden. Als sogenannte ''Membres Invités''. Wahrscheinlich, um das Ganze ein bisschen aufzumischen. Auf jeden Fall füllen sie den sich über vier Tage erstreckenden Kalender. Zum Glück. Denn sonst hätte man als echte Haute Couturiers nur Chanel, Dior, Schiaparelli und elf andere französische Labels - als ''Membres''. Und dann noch sieben nicht-französische Labels wie Valentino als ''Membres Associés''. Das wäre ein bisschen wenig. Also gut, dass es zum Beispiel Vêtements gibt (das ist die Marke, die DHL-Shirts und Polizeijacken in Mode gebracht hat). Auch wenn die Entwürfe hier am Dienstag so gar nicht nach Hoher Kunst aussahen, sondern eher an Altkleidersammlung erinnerten. Aber Vêtements ist Kult und hat zumindest ziemlich viel Bewegung in die Mode gebracht. 

Einige meiner Einladungen
Ein Entwurf aus der Chanel-Couture-Schau (Bild: Hendrik Ballhausen)

Vielleicht wollte Chanel hierzu einen Kontrapunkt setzen. Karl Lagerfeld zeigte nach allen Regeln der Schneiderkunst vollendete Kostüme und Kleider - als Zweireiher aus Tweed oder gekörnter Seide, mit edlen Silberknöpfen, schön geschwungenem Kragen und wadenlangen Falten- oder Bleistiftröcken. Dazu hochelegante fließende Abendkleider, wie Lilien geschwungen, und fein mit Silberpailletten bestickt. Man dachte dabei ein wenig an die junge und noch etwas brav wirkende Romy Schneider, die ja von Coco Chanel eingekleidet wurde. Das 20er-Jahre- Styling der Models mit nach hinten gestylten Haaren im Bubikopf-Stil verhinderte, dass der Look spießig wirkte. Und das Beste kam zum Schluss: Die superhübsche Lily-Rose Depp, Tochter von Vanessa Paradis und Johnny Depp in einem roséfarbenen Rüschenrausch am Arm von Lagerfeld. Genau die richtige Mischung aus Kunst, Kitsch und Cool - Parfait, Karl! 

Wie früher im Salon. Eleganter Entwurf von Schiaparelli (Bild: Hendrik Ballhausen)
Stefanie Schütte

Stefanie Schütte

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