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Nachhaltige Mode: Stella McCartney

Die Schau von Stella McCartney ist eigentlich immer einer meiner absoluten Favoriten während der Pariser Prêt-à-Porter-Woche. Nicht nur, weil die Entwürfe meistens wirklich wunderschön sind und das Ambiente hinreißend, oder weil hier so superschicke Britinnen die Treppen zur Schau hoch eilen und es köstlichen Café und Saft vorher gibt – sondern vor allem wegen Stellas zeitgemäßem und starkem Frauenbild. In all ihren Kollektionen wird dies deutlich. Sie will Frauen in Bewegung anziehen, die für ihren Alltag zwischen Job oder Mutterdasein, Stadt- oder Landleben, Spaß oder Ernsthaftigkeit perfekte und doch entspannte Entwürfe brauchen. Die sie nicht einengen und dennoch sexy wirken. Stella bringt das alles mit gekonnter Lässigkeit und Klarheit auf den Punkt. Wenn ich an ihre Mode denke, fallen mir als erstes die Begriffe „Dynamik“ und „Selbstverständlichkeit“ ein. Gerade letzteres ist für mich ihr Alleinstellungsmerkmal. Mit großer Selbstverständlichkeit erhob sie auch als eine der ersten Nachhaltigkeit zum Modethema. Und zwar im Top-Fashion-Bereich. Das war 2001, als sie ihre Marke gründete, noch eine Rarität. Stella McCartney kann hier als eine echte Pionierin gelten. Deswegen habe ich sie als erste für meine von fortan monatlichen Posts für Designer-Vintage ausgewählt.

Look aus der Kollektion für Frühjahr/Sommer 2017 von Stella McCartney (Bild: Stella McCartney)

Nachhaltige Mode
Während andere Top-Designer noch im Pelzrausch schwebten, verzichtete die Britin von Anfang an konsequent auf Leder und Pelze. Trotzdem hat sie es geschafft, It-Bags und höchst begehrte Schuhe herauszubringen. Zudem verzichtet sie auf PVC, Angora und bei ihren Jeans auf das umstrittene, krank machende Sandstrahlverfahren. Kontinuierlich verbessert sie ihre Standards, verwendet z.B. nachhaltig hergestellte Viskose für ihre Hosen und Kleider, lässt aus Textilabfällen hergestelltes Kaschmir verstricken, Brillen aus Bio-Acetat und Jeans aus Bio-Baumwolle fertigen. Zugleich achtet sie auf faire Arbeitsbedingungen. Sie ist sicher noch nicht auf einem so hohen Standard angekommen wie einige deutsche Bio-Labels, aber sie tut ungemein viel. Mir gefällt ihr vollkommen unverkrampfter Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Look aus der Kollektion für Frühjahr/Sommer 2017 von Stella McCartney (Bild: Stella McCartney)

Mutter Linda
Kürzlich schickte mir Stellas Pressestelle in Paris ein Buch mit den Fotografien ihrer 1998 an Krebs gestorbenen Mutter Linda McCartney. Diese arbeitete schon recht erfolgreich als Fotografin, als sie auf die Beatles traf. Bei einem Fototermin mit den „Fab Four“ verliebte sie sich in ihren späteren Ehemann Paul McCartney. Das bei Taschen erschienene Buch „Linda McCartney. Life in Photographs“ zeigt, woher Stella ihre Coolness und Gelassenheit hat. Die Bilder zeigen neben der Welt der Pop- und Rockmusik der 1970er, 80er- und 90er-Jahre auch das Leben der McCartneys mit ihren vier Kindern auf einer Öko-Farm im britischen Sussex. Schon Linda war Vegetarierin und Tierschützerin. In ihren Bildern offenbart sie einen vollkommen freien, unkonventionellen und dabei zutiefst liebevollen Blick auf ihre Umwelt. Auf die Stars, die sie in Auftragsarbeiten portraitierte, auf Tiere oder auf Landschaften. Aber vor allem auf ihre Familie, ihren Mann Paul und ihre Kinder. Glücklich, wer so aufwächst, denkt man, wenn man die Bilder sieht. „Meine Mum hat mir viele Dinge beigebracht, aber die wichtigste Lektion war vielleicht ihre ehrliche und natürliche Lebenseinstellung“, hat Stella McCartney, die ihre Mutter noch heute verehrt, im Vorwort zum Buch geschrieben. Genau das scheint sie auch mit ihrer Mode auszudrücken.

Stefanie Schütte

Stefanie Schütte

Ambassador

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